Schwerpunkte der Forschung

Bösartige Erkrankungen (Leukämien und solide Tumoren) sind durch genetische Veränderungen in den Tumorzellen gekennzeichnet. Diese Abweichungen von der Normalzelle können wertvolle Hinweise auf den Ursprung der Krebserkrankung liefern. Noch entscheidender ist der Umstand, dass gewisse Veränderungen der Erbsubstanz Vorhersagen über den Krankheitsverlauf ermöglichen.

Wir haben molekularbiologische und immunologische Methoden entwickelt und adaptiert, die die Identifikation diagnostischer bzw. prognostischer Faktoren bei Leukämien und soliden Tumoren des Kindesalters schneller und zuverlässiger als herkömmliche Ansätze erlauben. Diese Technologien testen wir im Labor in einem stufenweisen Verfahren auf ihre Verwertbarkeit in der klinischen Praxis. Der Einsatz dieser Methoden führte dazu, dass heute in vielen Fällen die Behandlung besser auf die Biologie der Erkrankung abgestimmt werden kann. Dies bedeutet auch für die Zukunft, dass die individuelle Situation des jugendlichen Patienten bei der Behandlung noch besser berücksichtigt werden kann.

So war es uns möglich, beim Neuroblastom in einigen Fällen auf eine Chemotherapie zu verzichten und mit einem rein chirurgischen Vorgehen eine völlige Heilung des Patienten zu erreichen. Dies wäre ohne genaue Kenntnis der Biologie dieses Tumors nicht möglich. Zudem können wir durch einige der von uns angewandten Methoden geringste Mengen an im Knochenmark oder Blut zirkulierenden Tumorzellen identifizieren. Dies soll wiederum helfen, möglichst früh einen drohenden Rückfall der Erkrankung zu erkennen, um ihn rasch zu bekämpfen. So gelingt es z.B. bei der häufigsten Leukämieart die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalles bereits zwölf Wochen nach der Erstdiagnose abzuschätzen und damit die Therapie individuell abzustimmen.

Im Bereich der Knochenmarktransplantation konnte die Forschung maßgeblich dazu beitragen, dass dieses wichtige und oftmals einzige therapeutische Vorgehen schneller und zuverlässiger angewendet werden kann. Aufgrund der Gewebeunverträglichkeit sind bisher Eltern von krebskranken Kindern als Knochenmarkspender für ihre Kinder nicht in Frage gekommen und wir waren auf Fremdspender angewiesen. Die Suche nach diesen war oft nicht erfolgreich.

Durch neueste Fortschritte in unserer Forschung haben wir jetzt die Möglichkeit, in Fällen, wo kein geeigneter Knochenmarkspender zu finden ist, das Blut eines Elternteiles so aufzubereiten, dass es für eine Knochenmarktransplantation herangezogen werden kann. Das bedeutet wieder einen Schritt weiter auf unserem Weg, die Überlebenschancen der krebskranken Kinder zu erhöhen.

In einem weiteren Projekt unseres Forschungsinstitutes haben wir begonnen, Krebszellen zusammen mit spezialisierten Abwehrzellen für eine Tumorimpfung aufzubereiten. Dieser Tumorimpfstoff wird in einer neuen Behandlungsstudie geprüft und soll in Zukunft das Immunsystem der Patienten dazu anhalten, einen zusätzlichen Beitrag zur Bewältigung der bösartigen Erkrankung zu leisten.

Neben diesen klinisch angewandten Forschungszweigen werden im Forschungsinstitut für krebskranke Kinder auch Projekte bearbeitet, die sich mit grundlegenden Fragen über die Tumorentstehung bzw. über das Wechselspiel zwischen Tumorzellen und Normalzellen beschäftigen. Diese Grundlagenforschung hat sich bereits sehr befruchtend auf die klinische Arbeit ausgewirkt.

Das Zusammenspiel zwischen behandelndem Arzt, angewandter Forschung und Grundlagenforschung sehen wir auch als Basis unserer zukünftigen Arbeit an, damit den kleinen Patienten noch effizienter geholfen werden kann.


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